Archäologe legt Fundamente von Lateinschule unter dem Kirchplatz frei.
Der an einen kurzen Kohlestift erinnernde Gegenstand ist nur wenige Zentimeter lang, Dr. Gerard Jentgens hält ihn zwischen Daumen und Zeigefinger. Es ist tatsächlich eine Art Stift, allerdings mindestens eineinhalb Jahrhunderte alt - ein Griffel aus Grafit, mit dem Schüler früher auf eine Schiefertafel schrieben.
Die Mitarbeiter des Archäologen haben den gut erhaltenen Griffel bei Grabungen auf dem Dülmener Kirchplatz der Gemeinde St. Viktor entdeckt, wie auch eine Spielzeug-Murmel, die aus Steinzeug-Keramik gefertigt ist. Benutzt haben beide Gegenstände Absolventen der ehemaligen Lateinschule, die vom Spätmittelalter bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Kirchplatz stand - mitten zwischen den Gräbern des damaligen Kirchfriedhofs.
Jentgens und sein Team gehen seit wenigen Wochen im Schatten des ältesten Dülmener Gotteshauses - die Kirche St. Viktor stammt aus dem achten Jahrhundert - in die Tiefe. Der Grund: Der Platz wird bald komplett neu gestaltet (DZ berichtete). Die bereits angelaufenen Bauarbeiten haben den Landschaftsverband Westfalen- Lippe (LWL) veranlasst, den Archäologen an Stellen, die ohnehin von den Arbeiten betroffen sind, nach den Fundamenten der Lateinschule und auch Gräbern suchen zu lassen. Denn der Kirchplatz war seit dem Frühmittelalter bis ins 19. Jahrhundert auch der Friedhof der Gemeinde St. Viktor - Gebeine aus über einem Jahrtausend liegen unter dem Boden.
Jentgens ist überaus vertraut mit der frühen Dülmener Stadtgeschichte. So entdeckte er hier bereits die ältesten beiden Glockengussgruben Europas.
Dass er und sein Team nun auf die Fundamente der alten Lateinschule stießen, ist allerdings keine Sensation. Deren Existenz war bekannt. Überrascht haben den Archäologen und Markus Trautmann, den Pfarrdechant von St. Viktor, dass die Fundamente des ehemaligen Gebäudes so dicht unter dem Erdboden lagen - „nur eine Handbreit unter der Grasnabe“, so Trautmann.
Die Lateinschule habe wahrscheinlich über ein Erd- und ein Obergeschoss verfügt, so Jentgens, und sei wohl um die fünf Meter hoch gewesen, über einer Gesamtfläche - und die kennt man natürlich nun genau - von rund acht mal 13,5 Metern.
„Die Lateinschule war primär eine kirchliche Einrichtung“, sagt der Archäologe. Sie habe zuvorderst der Ausbildung künftiger Priester gedient. Aber auch Laien seien hier geschult worden, die ihre klassische Bildung später etwa in Verwaltungen einsetzen konnten. „Das war der Beginn unseres Bildungssystems“, so Jentgens. In der jüngeren Zeit, gemeint sind das 18. Jahrhundert und frühe 19. Jahrhundert, habe es in der Schule einen großen Klassenraum für rund 70 Jungen und zwei kleinere Räume gegeben. Die nächstgelegenen Gräber des damaligen Kirchfriedhofs waren dicht an der Schule, doch die Kinder hätten wohl kein Problem damit gehabt, so der Archäologe: „Das Verhältnis zu Grabstätten war ein ganz anderes als heute.“
Pfarrdechant Trautmann verfolgt die fortlaufenden Grabungen am Gotteshaus mit großem Interesse: „Mir ist wichtig, dass in einer Stadt, von der soviel durch den Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist, die Geschichte wieder sichtbar und lebendig wird.“
Das meint der Pfarrer durchaus wörtlich. Er könne sich etwa vorstellen, dass in Zukunft auf dem neugestalteten Platz eine überirdische und partielle Nachbildung des Fundamentverlaufs den Kirchbesuchern und Passanten, die zwischen der Hauptverkehrsstraße und der Fußgängerzone unterwegs sind, vor Augen führen könnten, was (dann wieder) unter dem Erdboden verborgen liegt. Eine solche Entscheidung könne er aber nicht alleine fällen.
Bericht und Bilder der Dülmener Zeitung, Christian Besse
Neues Buch widmet sich der Familie von Bischof Kaiser.
„Sieben Blüten. Ein Baum“ lautet der Titel eines neuen Buches, das Markus Trautmann, Pfarrer in St. Viktor in Dülmen, am Freitag, 2. Juli, der Öffentlichkeit vorstellte. Im Mittelpunkt der Publikation steht die Familie von Bischof Friedrich Kaiser. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Trautmann mit der Biografie und dem Wirken des 1903 in Dülmen geborenen Hiltruper Missionars, der ab 1939 in Peru wirkte, 1963 in Dülmen die Bischofsweihe empfing und 1993 in Peru verstarb. „Bischof Kaiser ist ein Glaubenszeuge der Region und der Weltkirche. Die Familie war der Ort seiner geistlichen Prägung“, führte Trautmann in die Feierstunde ein, an der unter anderem auch Nichten und Neffen des „Missionars der Anden“ teilnahmen und die seine Großnichte, Hildegard Kaiser, am Flügel musikalisch begleitete.
In seiner Publikation geht es Trautmann nicht nur darum, die Herkunft des künftigen Seligen zu vermitteln, sondern „diese Skizzen können dem Leser und der Leserin helfen, auch einmal über die eigene familiäre Bindung und Prägung nachzusinnen“. Zu diesem und weiteren Themen hatte der Pfarrer einen Interviewgast eingeladen: Regionalbischof Dr. Stefan Zekorn. In dem munteren Gespräch erinnerte sich Zekorn an seine eigene Kindheit in Datteln und Recklinghausen, berichtete von seinem Onkel, der als Missionar in Taiwan tätig war, ebenso wie von selbstverständlichen religiösen Ritualen seiner Kindheit. „Ich habe die Familie immer als wohltuenden Rückzugsort und als Geborgenheitszone empfunden. Mir macht es Sorge, dass dies heute in vielen Fällen nicht mehr so ist. Familie wird eher als anstrengend erlebt“, bedauerte Zekorn.
Gefragt nach der Rolle von Seligen und Heiligen in seinem Leben, erzählte der Weihbischof von einem Buch über den heiligen Franziskus, das er in seiner Jugend gelesen habe. „Bei der Lektüre ist mir aufgegangen, was Heilige für mich bedeuten können. Wichtig ist es, dass sie mit unserem Leben zu tun haben, sie uns Vorbilder sein können“, erklärte der 61-Jährige, der sich im Bistum Münster als Beauftragter für die Weltkirche engagiert und in der Deutschen Bischofskonferenz seit zehn Jahren der Kommission Weltkirche angehört. Er lobte die zahlreichen Hilfs- und Partnerschaftsaktionen in den Pfarreien. „Sie zeigen den Menschen, dass an sie gedacht wird. Das ist manchmal bedeutsamer als die finanzielle Unterstützung“, erklärte Zekorn. Das Engagement in der Weltkirche weite den Blick. „Bis hin zur Schöpfungsverantwortung. Durch den Klimawandel sind vor allem die Länder in der Einen Welt betroffen. Die Bauern, die ihre kleinen Felder bestellen, wissen teilweise nicht mehr, wann sie pflanzen sollen“, nannte der Weihbischof einen Aspekt. Auch das Schicksal der Flüchtlinge beschäftige ihn. „Es ist immer noch ein ernstes Thema. Wir können nicht einfach die Augen verschließen“, sagte Zekorn und schlug den Bogen zu Bischof Kaiser. „Ich schätze den Mut, der ihn ausgezeichnet hat. Er hat die Ärmsten in der Gesellschaft aufgesucht. Als Kirche und Gesellschaft brauchen wir mehr Bewusstsein, um sie in den Blick zu nehmen“, hielt Zekorn fest. Sich mit Bischof Kaiser zu beschäftigen, lohne sich. Denn neben der Perspektive für die Ärmsten, kennzeichne ihn eine gehörige Portion Gottvertrauen. „Das habe ich beim Lesen festgestellt. Er lehrt uns, die eigenen Ziele mit Engagement und Mut, aber auch mit Gottvertrauen zu verfolgen, auch wenn der Weg immer mal wieder anders verläuft als man es sich wünscht.“
Zum Abschluss der Feierstunde dankte Trautmann allen, die an dem Buch beteiligt waren. Vor allem der Familie von Bischof Kaiser, die ihm viel über ihren Onkel Fritz berichtet und zahlreiche Dokumente und Fotos zum Buch beigesteuert hätten. „Das ist nicht selbstverständlich“, würdigte er das Entgegenkommen.
Das Buch „Sieben Blüten. Ein Baum“ ist die vierte Veröffentlichung einer Reihe, in der Trautmann unterschiedliche Aspekte rund um das Leben und Gedenken von Bischof Kaiser aufgreift. Das Buch ist gegen eine Spende im Pfarrbüro von St. Viktor im einsA erhältlich.
Ausführliche Informationen zu Bischof Kaiser gibt es auf der Internetseite www.bischof-friedrich-kaiser.de.
Fotos: Pfarrer Markus Trautmann (links) interviewte Weihbischof Dr. Stefan Zekorn bei der Präsentation des neuen Buches zu unterschiedlichen Themen wie Familie, Glaubenszeugen und Weltkirche.
Zur Feierstunde waren auch Nichten und Neffen nach Dülmen in die St.-Viktor-Kirche gekommen.
Text und Fotos: Michaela Kiepe / Pressestelle Bistum Münster
Eine-Welt-Kreis (EWK) St. Mauritius Hausdülmen --- Partnerschaftsprojekt
St. James School in Tamale / Nordghana
--- update 2021.1
Diesen oder einen ähnlichen Kommentar wird es in nahezu jeder Familie im Laufe der vergangenen Monate gegeben haben. Irgendwie oder irgendwann war – und ist immer noch – doch jeder von der anhaltenden Pandemie betroffen, sei es durch direkte Krankheit oder durch Einbußen im Arbeitsleben, ganz zu schweigen von unseren Kindern, denen man doch einiges abverlangt.
Natürlich hat die Pandemie auch vor Ghana nicht Halt gemacht. Berichte der Schulleitung unserer Partnerschule verhießen nichts Gutes, es gab so gut wie keine Gelder für Hygienemittel, die Lehrer waren mit der Situation vollkommen überfordert, kurz gesagt: Alle waren sich selbst überlassen.
In dieser sehr schwierigen Zeit hat das Land NRW vor dem Hintergrund seiner langjährigen Freundschaft zu Ghana eine nicht unerhebliche Summe im sechsstelligen Bereich bereitgestellt, die ausschließlich für Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gedacht waren.
Der EWK handelte schnell und konnte innerhalb einer Woche in Zusammenarbeit mit der Schulleitung von St. James in Tamale und Father Hilary eine Dringlichkeitsliste erstellen und als Antrag in die Staatskanzlei nach Düsseldorf senden.
Dieser Antrag wurde dann auch zügig und erfreulicherweise in voller Höhe berücksichtigt, so dass gute 5.000,-€ schnell und unbürokratisch überwiesen werden konnten.
Neben den dringend benötigten Dingen wie Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung konnten nun auch die Lehrer thematisch fortgebildet werden.
Die Rückmeldungen aus Tamale stimmen uns positiv, Gott sei Dank ist unsere Hilfe gerade noch rechtzeitig eingetroffen um Schlimmeres zu verhindern.
Nach einer kurzen Zeit der Schulschließung wurde der Unterricht coronakonform wieder aufgenommen.
Mitunter wird man ganz unvermittelt auf ein schon fast vergessenes Thema gestoßen: Als der Dülmener Bürgermeister Carsten Hövekamp am 19. Juni dem Anna-Katharinen-Stift Karthaus zum 100jährigen Jubiläum ein stattliches Bäumchen der „Dülmener Rose“ überreichte, fragte sich zumindest einer der Gäste: Wie mag es wohl dem gleichnamigen Apfelbäumchen gehen, das von einer Dülmener Radtour-Gruppe im Herbst 2018 auf der niederländischen Kriegsgräberstätte Ysselsteyn gepflanzt worden war? Immerhin gab ja im Folgejahr einen extrem heißen Sommer, gleichzeitig griffen Blattläuse erbarmungslos an. Pfarrer Markus Trautmann konnte sich jüngst vor Ort überzeugen: Dank der geduldigen Düngung und Wässerung durch das pädagogische Personal der Jugendbegegnungsstätte Ysselsteyn hat sich die „Dülmener Rose“ auf dem kargen Sandboden wacker geschlagen und wird ab Oktober ihr viertes Jahr dort verbringen. Mit einer Apfelernte ist vorerst allerdings noch nicht zu rechnen.
kleines Foto: privat; Pfarrer Trautmann begutachtet den Zustand des Apfelbäumchens
großes Foto: Jan Schniggendiller; 2018 wurde das Bäumchen von Dülmener Jugendlichen gepflanzt
Die Nachricht kam überraschend: Unser Kirchenmusiker Carlos Reigadas wird im Sommer Dülmen verlassen und zum 1. Oktober eine neue Stelle in Friesoythe antreten. Herr Reigadas betont die berufliche Herausforderung, die er sich an der neuen Stellen erhofft, wo kirchenmusikalische Dienste auf Dekanatsebene sowie die Betreuung der C-Musiker einen Schwerpunkt bilden.
Pfarrer Markus Trautmann bedauert diese Entscheidung, zumal die rd. zweijährige Zusammenarbeit mit Herr Reigadas sehr angenehm war.
Die Neubesetzung seiner Stelle wird zeitnah auf den Weg gebracht, um möglichst reibungslos die Betreuung der Chöre und der Chorsingschule St. Viktor zu gewährleisten.
Zwei junge Damen graben sich in diesen Tagen unweit der Viktorkirche ins Erdreich: Maibrit David und Anna-Sofia Kommeta sind Schülerinnen der 9. Klasse des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums und absolvieren in dieser und in der kommenden Woche ihr obligatorisches Schulpraktikum im einsA-Quartier. Unter der Anleitung von Dr. Gerard Jentgens legen sie das Kellergeschoss vom früheren Haus Pins frei. Während Maibrit David schon seit ihrem 10. Lebensjahr von einem Beruf als Archäologin träumt, hat sich Anna-Sofia Kommeta relativ kurzfristig entschlossen, in die unbekannte Welt der historischen Bodenfunde hineinzuschnuppern.
Foto: Christoph Fehmer
Was dem Menschen fremd ist, das beunruhigt ihn. Das ist eine fast alltägliche Erfahrung. Erst recht gilt dies mit Blick auf fremde Kulturen und Religionen – etwa dem Judentum. Zahllose Ressentiments gegen „die Juden“ resultieren aus mangelnder Kenntnis und bloßer Mutmaßung. Daher starten auf unserer Webseite www.hineinschauen.org kleine Info-Reihen, die in Bild und Wort Hintergründe des Judentums erläutern – anhand von Beispielen aus dem heutigen Dülmen! Die Info-Reihen „wandern“ in loser Folge bei der Webseiten-Nutzung mit. Machen Sie sich auf den Weg, lassen Sie sich überraschen!
Die neue Ausgabe des Magazins informiert die Leserinnen und Leser über viele neue Ideen und Projekte im Haus für Alle. Im aktuellen Sonderthema stellt sich unser Familienzentrum St. Anna vor.
Wir wünschen viel Freude beim Lesen der neuesten Ausgabe >>>.
Gerne kann die Print-Ausgabe auch ab dem 6. Juni im einsA am Infopoint abgeholt werden.
Falschmeldung zum Haus Pins
10 Jahre ist es in diesem Frühjahr her, dass eines der ambitioniertesten Projekte zur 700-Jahr-Feier der Stadt Dülmen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: Im Mai 2011 wurde das dickleibige Werk „Geschichte der Stadt Dülmen“, erschienen im Laumann-Verlag Dülmen, der Öffentlichkeit übergeben. Das Werk werde, so die damalige Bürgermeisterin Stremlau im Vorwort, „uns dabei helfen, alte und neue Fragen an die Geschichte unserer Heimat zu beantworten.“ Umso bedauerlicher, wenn ein Autor hinter dieser berechtigten Erwartung zurückbleibt, indem von ihm eine falsche Erkenntnis oder Schlussfolgerung konstatiert wird.
Heute ist unsere Nachbarin gestorben. Sie war gar nicht mal so alt, 68 Jahre. Klar, die letzten Jahre sah man sie nicht mehr, und auch vorher ging es ihr nicht mehr so gut. Aber über 15 Jahre lang gehörte sich ganz einfach dazu, unsere Nachbarin. Heute ist sie gestorben.
Zur gesamten Nachricht >>>
Die Datenerfassung für die Nachverfolgbarkeit ist ab sofort in allen Kirchen der Pfarrei auch über die luca-App möglich. Bitte installieren Sie vorab auf Ihrem Smartphone die App. An den Eingängen können Sie mit Ihrem Smartphone zum einchecken den QR-Code scannen. Nach dem Gottesdienst können Sie über die App wieder auschecken.
Zudem bieten wir eine Vereinfachung für die schriftliche Kontaktdatenerfassung an. Mit dem ausge-füllten gelben Formular können Sie eine feste Nummer (für eine einzelne Person) beantragen und damit in Zukunft jeden Gottesdienst an jedem Kirchort besuchen. Ihre Nummer wird Ihnen telefonisch mitge-teilt. Beim nächsten Kirchenbesuch tragen Sie lediglich Ihre Nummer in der am Eingang bereitliegenden Listen ein. Im Falle einer Infektion können die Nummern den Gottesdienstbesuchern zugeordnet werden. Zudem können weiterhin die weißen Nachverfolgungszettel ausgefüllt werden.
Als Manfred Rath am Montag, 10. Mai 2021, in der Dülmener Zeitung von den Aktivitäten rund um das Denkmalprojekt „Keller Pins“ erfuhr, stiegen alte Erinnerungen wieder auf: Er selbst hatte als Heranwachsender nach dem Krieg manche Gruppenstunde im Kreis der Pfadfinder in dem historischen Gemäuer verbracht.
Die archäologischen Grabungen schreiten voran; die bauliche Ausgestaltung und Überbauung des historischen „Keller Pins“ am Dülmener Kirchplatz geht in die finale Planungsphase. „Umso mehr freut es uns, dass uns erst vor kurzem eine großzügige Zuwendung durch den ‚Verein 321‘ zugesagt wurde“, teilte Pfarrer Markus Trautmann am vergangenen Freitag (7.5.) in einer Info-Veranstaltung vor Sponsoren mit. Der bundesweit agierende „Verein 321“ (kompletter Name: „Verein 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“) wurde 2018 ins Leben gerufen und nimmt Bezug zum Jahr 321:
Damals wurde durch Kaiser Konstantin den Juden von Köln zugestanden, im Magistrat der Colonia am Rhein mitzuwirken – der erste urkundliche Hinweis auf die Existenz von Juden auf heutigem deutschen Boden. „Somit steht das Jahr 2021 im Zeichen des Gedenkens an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, erklärt Christiane Daldrup vom Pfarreirat St. Viktor. „Der ‚Verein 321‘ möchte die verschiedensten Gedenkinitiativen und Aktionen im Bundesgebiet unterstützen und an Fördermittel des Bundes und des Landes heranführen“, ergänzt Christoph Fehmer, Verwaltungsreferent der Pfarrei St. Viktor. Die zugesagte Fördersumme für den Ausbau der Gedenkstätte „Keller Pins“ rangiert im fünfstelligen Euro-Bereich, „genaue Zahlen werden wir nach Abschluss letzter Abstimmungen bald mitteilen“, so Fehmer. Gleichwohl bitten die Initiatoren weiterhin um die Unterstützung durch die Dülmener Bevölkerung. „Denn die nun erfolgte hochkarätige Anerkennung unseres Vorhabens ist natürlich nicht nur Ansporn, sondern auch Verpflichtung“, meint Pfarrer Trautmann. „Somit sollte auch der gläserne Überbau eine wertige und repräsentative Kubatur einnehmen“, findet Verwaltungsreferent Fehmer, „vielleicht als gläserne Pyramide – schlicht, aber auffällig“. Die Glaskuppel könnte von einer kleinen Sitzbank umgeben sein, für die Kinder im Außenbereich des St.-Anna-Kindergartens. „Dann würden die Kinder das Denkmal buchstäblich in Besitz nehmen können“, findet Christiane Daldrup.
Schweren Herzens hieß es für Pater Binish jetzt am Wochenende von Merfeld nach Dülmen umzuziehen, da das Pfarrhaus im Sommer abgerissen wird, um für den Neubau des Merfelder Kindergartens Platz zu machen.
Mit tatkräftiger Unterstützung engagierter Merfelder Helfer konnte der Umzug am Samstagmorgen reibungslos gelingen und Pater Binish seine neue Dienstwohnung an der Droste- Hülshoff- Str. in Dülmen beziehen.
Die in den letzten drei Jahren gewachsene Verbundenheit zu Merfeld wird Pater Binish und vielen Merfeldern bei den alltäglichen Begegnungen im Dorfleben fehlen.
Doch eines bleibt gewiss, dass er stets in Merfeld besonders herzlich willkommen bleibt.
Die ganze Gemeinde wünscht Pater Binish mit Gottes Segen ein gutes Einleben in seinem neuen Zuhause an der Droste-Hülshoff-Strasse mit Blick auf den Stadtpark.
Ein runder Gedenktag. Der 9. Mai ist der 100. Geburtstag einer Persönlichkeit, die zu den bekanntesten und beliebtesten Frauen der deutschen Geschichte zählt: Sophie Scholl erblickte am 9. Mai 1921 in Forchtenberg (im Nordosten des heutigen Baden-Württemberg) das Licht der Welt. Seit etlichen Jahren gibt es in Dülmen einen „Geschwister-Scholl-Weg“, der an das Engagement von Hans und Sophie Scholl in der Münchner Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ erinnert. Anlässlich des Gedenktages weisen wir auf einige Texte in unserem Archiv hin, die sich mit Sophie Scholl befassen.
Hineinschauen! Am Freitag, dem 7. Mai (dem Vorabend zum Gedenktag des Kriegsendes in Europa), war es so weit: Im Beisein einiger Sponsoren für das Dülmener Denkmalprojekt „Keller Pins“ und im Rahmen einer geistlichen Stunde wurde eine eigene Internetplattform freigeschaltet: Unter der Adresse www.hineinschauen.org wird künftig verschiedenstes Bild- und Textmaterial zu den Spuren jüdischen Lebens in Dülmen hinterlegt, das ständig aktualisiert wird und zu Rückmeldungen einlädt. Hier entsteht ein echtes „Mitmach-Format“, weil man eigene Bilder und Beiträge bzw. Rechercheergebnisse und Meinungsäußerungen einstellen und sich der Diskussion stellen kann. Nach und nach soll das heute noch verfügbare Wissen um das jüdische Leben in und um Dülmen zusammengetragen und präsentiert werden – angefangen von genealogischen Daten bis hin zu aktuellen Initiativen.
Auch im einsA ist ab sofort ein kostenloser Bürgertest möglich.
Terminbuchungen über die Webseite
https://teststelle-einsa.chayns.net/Terminbuchen
Öffnungszeiten des Testzentrums:
Mo - Mi - Fr: 09:00 - 13:00 und 15:00 - 18:00 Uhr
Di und Do: 09:00 - 13:00 Uhr
Sa: 09:00 - 14:00 Uhr
Peru-Spenden der Gemeinde fließen in Lebensmittelpakete
Zum Osterfest erreichten den Perukreis St. Viktor herzliche Grüße aus Lima in Peru von Schwester Bernita. Sie steht in engem Kontakt mit Pfarrer Elias, der in Tablada arbeitet und dort das Comedor betreibt. Da die Suppenküche zurzeit wegen Corona und einer fehlenden Köchin nicht geöffnet werden kann, bat Padre Elias darum, mit den Spendengeldern der Gemeinde St. Viktor Lebensmittelpakete für die Familien kaufen zu dürfen. Diese Familien kommen normalerweise einmal am Tag ins Comedor um dort eine warme Mahlzeit zu essen. Schwester Bernita hat das Geld für diese Pakete an Padre Elias überwiesen. So konnten 50 Lebensmittelpakete zusammengestellt und verteilt werden. Jedes Paket enthielt um die 50 kg Lebensmittel. “Damit haben die Leute jetzt ein paar Wochen zu essen,” schrieb Schwester Bernita. Sie teilte Padre Elias außerdem mit, dass er sich erneut melden könne, es seien noch Spendengelder für weitere Pakete da.
Allen Spendern und Spenderinnen, die die Peru-Projekte der Gemeinde St. Viktor unterstützen, sei hiermit herzlich gedankt.
Wichtiger Schritt auf dem Weg zur Seligsprechung.
In der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen wurde jüngst der sogenannte „Relator“ im Kanonisierungsverfahren für Friedrich Kaiser ernannt. „Das war für uns eine große Überraschung“, erklärt Schwester Inmaculata, „die Nachricht kam am 30. März am Vormittag.“ Die wichtigste Aufgabe eines Relators ist die Vorbereitung der „Positio“. – Die Positio ist eine in chronologischer Reihenfolge abgefasste Darstellung des Lebens und Wirkens eines Dieners Gottes und soll dessen tugendhaftes Leben dokumentieren. (Die dickleibige Positio über Anna Katharina Emmerick kann in der Dülmener Emmerick-Gedenkstätte besichtigt werden.) „Diese Positio wird verschiedenen Gremien in der Kongregation vorgelegt, die darüber abzustimmen haben“, erklärt die Vatikan-Experte Ulrich Nersinger. „Wenn diese verschiedenen Gremien dann positiv entschieden haben, wird die Sache schließlich dem Papst vorgelegt. Der Papst entscheidet letztendlich, ob diese Causa einen positiven Ausgang nimmt. Wenn das geschehen ist, schließt sich noch ein weiteres Verfahren über ein Wunder an. Und dann ist es Sache des Papstes, einen endgültigen Schritt zu setzen.“ – Der nun ernannte vatikanische Relator ist der 1959 geborene italienische Priester und Kirchenhistoriker Maurizio Tagliaferri, der 2014 von Papst Franziskus in die Selig- und Heiligsprechungskongregation berufen wurde.
Unglaublich! Tod und Furcht vernichtet!Die Meldung ließ in den frühen Morgenstunden des 4. April umgehend ein Polizeiaufgebot und Wehrleute zusammenkommen; selbst die Dülmener Stadtspitze eilte herbei. Was genau geschah, wird noch ermittelt. Nach Zeugenangaben scheint sich folgendes Szenario abzuzeichnen: Jesus von Nazareth, unter der Anklage der Gotteslästerung erst am Freitag hingerichtet (wir berichteten), gilt ab sofort als auferweckt. Unweit seines Grabes hat ein Engel gegenüber einigen Frauen diese Neuigkeit bestätigt. Eine baldige Begegnung Jesu mit seinen Aposteln ist bereits anberaumt. Die Anwesenden auf dem Dülmener Rathausplatz nahmen die frohe Kunde zum Anlass, um umgehend mit Schellen durch die Dülmener Innenstadt zu ziehen, angeführt von Bürgermeister Carsten Hövekamp. Dieser bestätigte das Geschehen: Der Tod ist besiegt, der Tod ist nicht das Ende! |
Wichtige Meldung: Jesus hingerichtet!Wie uns heute Nachmittag zur Kenntnis gelangte, wurde Jesus von Nazareth vor den Toren der Stadt Jerusalem gekreuzigt. Vorausgegangen waren gerichtliche Eilverfahren vor dem Hohen Rat bzw. dem Römischen Statthalter. |
Eilmeldung: Jesus festgenommen!Am Vorabend zum Karfreitag gelang es den Sicherheitskräften von Jerusalem, eine Verschwörungsgruppe rund um Jesus von Nazareth auszuheben. Zuvor waren Hinweise auf eine konspirative Mahlgemeinschaft eingegangen. Hierzu zwei Stellungnahmen: |
Wie nach 76 Jahren ein Zufallsfund das Schicksal zweier Soldaten aufklärte
Die kleinste, offizielle Kriegsgräberstätte in Deutschland? Die befindet sich in Merfeld. Hier ruhen Horst Ullmann und Otto Schulz. Die beiden Männer waren am 26. März 1945 mit ihrem Flugzeug im Bereich der Lavesumer Straße abgeschossen worden - so zumindest jahrzehntelang die Überlieferung im Dorf. Nur: Diese Erzählung stimmt nicht. Was wirklich mit ihnen geschah, davon berichtet seit dieser Woche eine Gedenktafel an den Gräbern. Genau 76 Jahre nach dem Tod der beiden Soldaten erzählt sie ihre Geschichte.
Hildegard Stegehake, Paul Frerick, Justin Maasmann und Pfarrer Markus Trautmann haben sich auf dem Friedhof versammelt. Das Quartett berichtet, wie es in den vergangenen Monaten dem Schicksal von Ullmann und Schulz nachgespürt hat. Tatsächlich, so sagt Maasmann, habe die Pandemie diesmal zumindest einen positiven Aspekt gehabt. „Die ganze Corona-Geschichte hat uns mehr Zeit gegeben, alles gründlich aufzuarbeiten.“ Denn eigentlich sollte die Gedenktafel bereits 2020, 75 Jahre nach Kriegsende, angebracht werden. Eine Gedenkveranstaltung war geplant, als die Pandemie für eine Absage sorgte.
Nachfragen von Trautmann hatten bereits zuvor dazu geführt, dass sowohl Maasmann als auch Stegehake begannen, bei Zeitzeugen nach den Geschehnissen in diesen letzten Kriegstagen in Merfeld zu recherchieren. Und zunächst, so erläuterte Maasmann, schien sich die Erzählung vom Flugzeugabsturz zu bewahrheiten. Bis einer der Befragten, der als Kind nach dem Krieg nahe der Lavesumer Straße aufwuchs, davon berichtete, dass die Soldaten nicht abgestürzt seien, sondern in ihrem Auto von Tieffliegern getötet worden waren.
Um weitere Auskünfte zu bekommen, schrieb Trautmann sowohl die Kriegsgräberfürsorge als auch die Wehrmachtsauskunftsstelle an - ohne Erfolg. Die Idee dahinter: Herausfinden, zu welcher Waffengattung Ullmann und Schulz gehörten. Neben der Aussage des Zeitzeugen fand sich in den Dülmener Heimatblättern ein Hinweis, dass sie wohl nicht zur Luftwaffe gehörten - der Tod bei einem Absturz also unwahrscheinlich war. Und zumindest das sollte auf der Gedenktafel stehen.
Doch dann bekamen Trautmann, Maasmann und Stegehake überraschend Hilfe: Als die drei sich am Grab treffen wollten, baten sie Paul Frerick dazu. Denn der Merfelder, langjähriges Mitglied im Kirchenvorstand, kümmerte sich jahrelang um den Friedhof. Vor dem Treffen stöberte Frerick im Pfarrarchiv - und stieß hier auf Briefe von Merfelds einstigem Pfarrer Josef Wieling. Briefe an die Familien von Horst Ullmann und Otto Schulz. Briefe, die keinen Zweifel mehr am Schicksal der beiden Männer lassen.
So hatten Oberstleutnant Ullmann, 49 Jahre alt, und sein vier Jahre jüngerer Fahrer, Obergefreiter Schulz, Ende März ihr Quartier in Lavesum aufgeschlagen. Am 26. März inspizierte Ullmann die ihm unterstellte „Frontleitstelle“ in Merfeld. Trotz der Warnungen der Soldaten (es seien gerade viele Tiefflieger unterwegs) fuhren sie noch im Hellen zurück nach Lavesum. Ungefähr auf halber Strecke griffen Tiefflieger an, die Soldaten wurden tödlich verwundet. Kurz vor Ostern setzte man sie auf dem Merfelder Friedhof bei. „Das zerschossene Auto lag noch im Januar 1946 im Graben“, ergänzt Frerick.
„Der Fund im Pfarrarchiv war der Schlüssel“, freut sich Trautmann. Akribisch habe der einstige Pfarrer Wieling den Schriftverkehr mit den Angehörigen abgeheftet. Interessant war vor allem ein Brief des Pfarrers an Ullmanns Witwe aus Januar 1946. Anneliese Ullmann hatte wegen einiger Ungereimtheiten zum Tod ihres Mannes die Hoffnung, dass eine Verwechslung vorlag. Daher bat sie den Pfarrer um Details. Der erfüllte diesen Wunsch - und schildert ausführlich, was an jenem 26. März 1945 auf der Straße von Merfeld nach Lavesum und im Anschluss mit den Leichen geschehen war. Auch war es Wieling, der den hochbetagten Eltern von Otto Schulz, die bei Uelzen lebten, im Dezember 1945 vom Schicksal ihres Sohnes berichtete. Deren Antwort-brief zeigt deutlich, wie viel es ihnen bedeutete, dass die „quälende Ungewissheit“ endlich ein Ende habe. Und Wieling versicherte den Angehörigen, dass die Merfelder sich um die Grabpflege kümmern würden.
Das tut die Gemeinde bis heute - und hat jetzt zusätzlich die auf einem Stein befestigte Gedenktafel aufgestellt. Einerseits, um die wahre Geschichte der beiden Verstorbenen zu erzählen, so Hildegard Stegehake. Und andererseits soll Deutschlands kleinste Kriegsgräberstätte „die nachfolgenden Generationen zum Frieden mahnen“, wie es auf der Tafel heißt.
| Das Gelübde Bereits während der Dankprozession im vergangenen Jahr war erstmals über die neuen Erkenntnisse zum Tod der beiden Soldaten berichtet worden. Die Prozession, die immer zehn Tage nach Pfingsten stattfindet, geht zurück auf ein Gelübde von 1944, dass die Merfelder auf Drängen von Pfarrer Josef Wieling abgelegt hatten: So sollte die Prozession ein Dank dafür sein, falls Merfeld im Krieg verschont bleiben würde. Was die Häuser anging, so stimmte dies auch, berichtet Markus Trautmann. Aber: Rund 90 Dorfbewohner starben im Zweiten Weltkrieg, was rund zehn Prozent der Einwohner Merfelds entspricht. Nirgendwo sonst in der Region sei der Anteil der Kriegstoten an der Gesamtbevölkerung so hoch gewesen, ergänzt der Pfarrer. |
Bericht und Bilder der Dülmener Zeitung, Kristina Kerstan