Wird Keller Pins Planschbecken?
Ein verstörender Appell erreichte die am Bau von „Keller Pins“ beteiligten Handwerker – aus der Luft. Wie erst jetzt bekannt wurde, konnten Anfang April zwei Papierschwalben oberhalb der Baugrube abgefangen werden, die eine eindeutige Botschaft mitbrachten: „Liebe Bauarbeiter, könnt ihr uns ein großes Planschbecken im Kindergarten bauen?“ Dr. Gerard Jentgens, der die Arbeiten koordiniert, hat die Papierflieger, die offenbar unbemerkt den Bauzaun überwunden hatten, in Verwahrung genommen. Ein Papierflieger, so die Auskunft von Experten, besitze keinen eigenen Antrieb und werde im Regelfall durch Werfen gestartet. – Grundsätzlich, so der einhellige Tenor des Planungsstabes, sei in der heutigen Erinnerungskultur ein umfassendes Beteiligungsverfahren innerhalb der Bürgerschaft, zumal bei den Nachbarn, zu begrüßen. Zunächst werde aber geprüft, ob mit dem kindlichen Ansinnen überhaupt der Keller Pins gemeint sei oder aber ein ganz neues Projekt angestoßen werden soll. „Wir werden vermutlich große Räder drehen müssen, um bestimmte Spenden- und Fördergelder jetzt noch umzuwidmen“, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen.
Fotos: C. Knabe
Markus Becker, Klaus Göckener und Michael Kamper von der Ukraine-Hilfe freuten sich sehr über die Geldspende von 1.000 Euro, die der Chor Cantiamo ihnen am Mittwochabend überreichte. Obwohl während der Pandemie keine Chorproben stattfinden konnten, haben die rund 50 Mitglieder weiter ihre Beiträge bezahlt. „Im Vorstand war man sich schnell einig, dass von diesem so entstandenen finanziellen Polster Geld an die Ukraine-Hilfe gespendet werden soll“, berichtete Brunhilde Helmer, die im Vorstand des Chores mitwirkt. Markus Becker zählte auf, wofür die Spende eingesetzt wird. „Wir brauchen das Geld für Medikamente, Lebensmittel und auch für Sprit für die Hilfstouren“.
Foto: Vertreterinnen und Vertreter von Cantiamo überreichen den Scheck an Klaus Göckener, Michael Kamper und Markus Becker
Heute, am 22. März, ist der Gedenktag von Clemens August von Galen. Er hat auch unserer Zeit einiges zu sagen – etwa da, wo uns Bilder und Eindrücke vom Kriegsgeschehen in der Ukraine sprachlos machen. So mahnte der Selige in einer Predigt in Telgte am 4. Juli 1943 eindringlich: „Gewiss, meine Christen, die Flugzeuge fliegen, gesteuert von Menschen, auf Befehl der Machthaber der kriegsführenden Länder; von Menschen werden die Spreng- und Brandbomben abgeworfen, so dass sie Tod und Verderben über friedliche Städte säen. Furchtbare Verantwortung derer, die den Bombenkrieg begonnen haben und mit immer wirksameren Mitteln fortsetzen! – Und doch: Ich muss das einmal öffentlich aussprechen: die Hass- und Vergeltungsrufe, von denen die deutsche Presse widerhallt, kann und will ich mir nicht, dürft auch ihr euch nicht zu eigen machen! Soll es wirklich der Wunsch und der Wille des deutschen Volkes sein, dass wir Rache nehmen wollen für das Leid, das uns trifft? Dass wir vor allem anderen danach verlangen, dass auch unsererseits in England und den sonstigen Feindländern Kirchen und Spitäler zerstört, Kinder und Frauen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben, umgebracht werden? Ist das wirklich ein Trost für eine Mutter, deren Kind einem Bombenangriff zum Opfer fiel, wenn man ihr versichert: demnächst werden wir auch einer englischen Mutter ihr Kind töten? Nein, solche Ankündigung von Rache und Vergeltung ist wahrlich kein Trost! Sie ist unchristlich, sie ist überdies undeutsch, weil unwürdig, weil unedel, weil unritterlich! … Meine Christen, ich muss das einmal öffentlich aussprechen, weil die Absage an Rache und Hass das Gebot Christi ist, das ich zu verkünden habe. Ich muss es einmal aussprechen, um mich und euch abzusetzen von jenen, die da behaupten, das ganze deutsche Volk, besonders hier im Westen, verlange entsprechend dem Satz: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘, nach Vergeltung der Bombenangriffe durch die kriegsunnötige Tötung von Nichtkämpfern, von Frauen und Kindern im Feindesland. Solche Gesinnung müssten wir ablehnen, als Christen und als Deutsche!“
„Ausgefallen“, so könnte man also sagen; aber nicht „ersatzlos gestrichen“!
Denn die Katechetinnen Stefanie Werenbeck-Ueding, Silvia König und Bettina Groten haben sich ein Alternativangebot einfallen lassen, das am 2. Fasten-Wochenende (12./13.3.22) im Pfarrheim von St. Jakobus stattgefunden hat.
Alle Kommunionkinder waren zu einem Parcours zum Thema „Taufe“ eingeladen; dafür wurde das Pfarrheim buchstäblich auf den Kopf gestellt, denn kein Tisch und kein Stuhl stand mehr am vertrauten Platz, stattdessen waren Stellwände, große Tücher und ein großes Taizé-Kreuz von der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz so zusammengestellt, dass insgesamt fünf kleine Nischen entstanden, in denen sich die Kinder mit den Symbolen, die bei der Taufe von Bedeutung sind, sinnlich auseinandersetzen konnten. Die Symbole sind: Taufwasser, Chrisam, Kreuz, Kerze, Taufkleid und der „Name des Täuflings“. Nacheinander wurden die Kinder durch den Parcours geleitet und konnten dabei viel Neues, aber auch Vertrautes über ihre Taufe erfahren.
Die letzte Station war am Taufbrunnen in der Kirche aufgebaut. Dort konnten die Kinder ein kleines Licht an der Osterkerze abstellen und sich mit Taufwasser ein Kreuzzeichen über ihren Körper zeichnen.
Somit wurde jedem Kind noch einmal bewusst, dass es auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft ist und dass ein Christ deshalb so heißt, weil er zu Christus gehört!
Alle 35 Kinder, die den Parcours durchlaufen haben, sowie ihre Begleiter, nämlich Eltern oder Großeltern oder Paten, die zum Teil extra von auswärts angereist waren, waren sich am Ende einig:
Dieses Angebot war spitze und hat geholfen, sich auf fühlbare Weise mit der Taufe neu auseinanderzusetzen.
Auch Kinder und Jugendliche aus St. Jakobus nutzten die Gelegenheit viele Erstkommunionfamilien aus der Pfarrei in ihrer Gemeinde St. Jakobus zu Besuch zu haben: am Ende des Parcours bei herrlichem Wetter haben sie Waffeln gebacken und diese gegen eine Spende den Familien angeboten.
Von diesem „duftenden Angebot“ fühlten an den beiden Tagen dann nicht nur die Erstkommunionfamilien angezogen, sondern auch viele vorbeiziehende Fahrradfahrer, Spaziergänger und Gottesdienstbesucher.
Die Messdiener konnten bis Sonntag Abend einen Spendenbetrag von 814,64 Euro einsammeln, der den Geflüchteten aus der Ukraine zufließen soll.
Allen, die mitgeholfen haben, dieses Projekt auf die Beine zu stellen sagen wir ein herzliches Dankeschön!
Ursula Benneker-Altebockwinkel,
Pastoralreferentin
Am Montag, dem 2. Mai, ist es so weit: Das Dülmener Begegnungszentrum „einsA“ bekommt eine neue Geschäftsleitung. Bereits Ende Januar hatten sich kirchliche und städtische Vertreter in dem entsprechenden Bewerbungsverfahren klar für Sandra Allerdisse ausgesprochen. Die verheiratete Mutter zweier Söhne lebt in Haltern am See und hat als Sozialpädagogin einschlägige Berufserfahrungen in der Erwachsenenbildung gesammelt. Zudem konnte sie hinreichende Personalmanagement-Erfahrungen sammeln, welche sie als Personalfachkauffrau in verschiedenen Unternehmen unter Beweis stellte. Zuletzt leitete sie den Sozialbegleitenden Dienst in einem Seniorenheim. „Die Verbindung meiner betriebswirtschaftlichen Kenntnisse mit denen der Sozialen Arbeit hat mich dazu motiviert, mich in Dülmen zu bewerben“, erklärt die 48jährige, die übrigens ihre familiären Wurzeln in Hiddingsel hat. Sie versteht sich als eine „motivierte Brückenbauerin“ und möchte an ihrer neuen Stelle an der Gestaltung der künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, dem Fachkräftemangel oder der Stärkung des Ehrenamtes mitwirken. „Mich begeistert die Idee des Intergenerativen Zentrums und ich freue ich mich über ein persönliches Kennenlernen“, formuliert Sandra Allerdisse ihre Haltung. Ihr Dienst beginnt offiziell am 1. Mai, doch schon im Vorfeld wird sie immer wieder mal im „einsA“ sein, um in die künftige Arbeit hineinzuschnuppern und erste Kontakte zu knüpfen.
Sandra Allerdisse wird somit Nachfolgerin von Cäcilia Scholten, die von 2017 bis 2021 Geschäftsführerin des einsA war
Foto: Sandra Allerdisse mit Pfarrer Markus Trautmann (l.) und Bürgermeister Carsten Hövekamp (r.) zu Besuch im Dülmener „einsA“; im Hintergrund weitere Vertreter von St. Viktor und der Stadt Dülmen / Foto: Pressestelle Stadt Dülmen, Siemes
Wer war der bekannteste deutsche Jude? War es der Philosoph Karl Marx? Oder der Dichter Heinrich Heine? Oder der Physiker Albert Einstein? Schwer zu sagen – jedenfalls war einer von ihnen schon mal zu Gast in Dülmen: Heinrich Heine (1797-1856), damals noch mit dem Vornamen Harry. In diesem Jahr ist nicht nur der 225. Geburtstag Heines; sondern es ist auch 200 Jahre her, dass er 1822 in der Dülmener Poststation logierte. Das genaue Datum ist bedauerlicherweise nicht bekannt, aber eine bronzene Gedenktafel am Königsplatz erinnert bis heute an den berühmten Gast.
Sein Leben lang war Heine viel unterwegs, am Ende starb er fern seiner Heimat im Pariser Exil. In zahlreichen Gedichten und Reisebeschreibungen beschrieb er seine Eindrücke von Land und Leuten – so auch bei verschiedenen Reisen durch Westfalen. Es dürfte übrigens an seinem westfälischen Kindermädchen gelegen haben, dass Heine seinen beißenden Sarkasmus, völlig untypisch, nicht über deren Landsleute ausgoss. „Ich habe sie immer so liebgehabt, / die lieben, guten Westfalen, / ein Volk, so fest, so sicher, so treu, / ganz ohne Gleißen und Prahlen“, so formulierte er in „Deutschland. Ein Wintermärchen“.
Als Harry Heine geboren, wuchs er in einer großbürgerlichen Familie auf, die dem liberalen Judentum angehörte. Religiös eigentlich völlig indifferent, sah Heine in seiner Taufe 1825 bzw. in seinem Eintritt in die evangelische Kirche „nichts als eine bloße Nützlichkeitstatsache“ und im Taufschein nur das „Entre Billet zur Europäischen Kultur“. Dennoch musste er – von nun an nicht mehr „Harry“, sondern „Heinrich“ – in den folgenden Jahren schmerzhaft feststellen, dass viele Träger dieser Kultur auch einen getauften Juden wie ihn nicht als ihresgleichen akzeptierten. Auch diese Erfahrung war wohl ursächlich für seine wütenden Ressentiments gegen bürgerliche Fassaden und spießige Angepasstheit.
In den Jahren 1822 bis 1824 befasste sich Heine literarisch erstmals intensiv mit dem Judentum. Auf einer Reise nach Posen, die er 1822 von Berlin aus unternahm, begegnete er erstmals dem Chassidismus, einer religiös-mystischen Strömung des orthodoxen Judentums, der ihn zwar faszinierte, mit dem er sich aber nicht identifizieren konnte. Nach seiner Taufe rückten jüdische Themen im Werk Heines zwar in den Hintergrund. Sie beschäftigten ihn aber ein Leben lang und traten vor allem in seinem Spätwerk wieder verstärkt zutage, etwa in den „Hebräischen Melodien“, dem Dritten Buch des „Romanzero“.
Neue Treppen, alte Wege
Schneeglöckchen, Narzissen, Krokusse oder Gänseblümchen. Was der Frühling an Frühblühern zu bieten hat, wird auch auf dem Platz rund um die Kirche St. Viktor zu sehen sein und die Betrachter erfreuen. Allerdings erst im nächsten Jahr. Denn auch wenn die Arbeiten auf und am Kirchplatz St. Viktor in den vergangenen Wochen tüchtig vorangeschritten sind, so gehört das Terrain immer noch den Handwerkern und nicht den Besuchern.
Aber bis zum Sommer, so hofft Hans-Willi Heeringa, stellvertretender Kirchenvorstand von St. Viktor, wird es soweit sein. Dann können die Mitglieder der Gemeinde, aber auch alle Dülmener den Platz mit Leben füllen.
Die DZ sah sich zusammen mit Pfarrdechant Markus Trautmann, Hans-Willi Heeringa sowie den Landschaftsarchitekten Thomas Köhlmos und Robert Brandt vom Büro Lohaus Carl Köhlmos auf dem Gelände um. Mit dabei war auch der Archäologe Dr. Gerard Jentgens, der auf dem Kirchplatz weitere Grabungen durchführt und das Projekt Keller Pins mitbetreut. Hier die wichtigsten Arbeiten im Überblick.
Strahlenförmige Wege. Die historischen, von der Kirche strahlenförmig abgehenden Wege über den Platz bleiben erhalten. Die alten Pflastersteine werden wieder eingesetzt und um einige neuere Steine ergänzt. Die Wege werden mit Corten-stahl-Bändern eingefasst.
Bäume und Hecken. Verschwunden sind die Hecken auf dem Platz, die den Weg zum Kirchenportal gesäumt haben. Entlang der Mauer zur Lüdinghauser Straße sind die Beete von Sträuchern befreit, es wurden entlang der Mauer neue Hecken gepflanzt. Auf dem Kirchplatz wird es jetzt viel Rasenfläche geben. Neue Bäume werden gesetzt. Der alte Baumbestand ist weitestgehend erhalten geblieben.
Alte Lateinschule. Die Fundamente der alten Lateinschule neben dem Haupteingang sind durch große graue Eckquader markiert. Diese haben nicht nur gestalterische Funktion, sondern können auch als Sitzgelegenheit genutzt werden.
Niedrigseilgarten. Mit dem Niedrigseilgarten, der im Dreieck hinter dem Löwendenkmal und dem Weg zur alten Scharre angelegt wird (derzeit wird der Platz noch für Baumaterialien genutzt), wird der Kirchplatz künftig auch zum Spielen einladen. Die Fundamentlöcher sind bereits vorhanden.
Mauer. Die Kirchplatzmauer an der Lüdinghauser Straße ist in Richtung Münsterstraße verlängert worden. Ein barrierefreier Zugang zum Platz wurde gelegt.
Podest. Angelegt ist bereits das Podest, auf dem die Pietà aufgestellt wird. Sie befand sich früher am Pfarrhaus und ist seit dessen Abriss 2015 in Billerbeck eingelagert. Das Podest wird später vollständig durch die Statue abgedeckt.
Treppenanlage. Die Treppenanlage im hinteren Teil des Kirchplatzes ist bereits erkennbar. Ein Corten-stahl-Zaun begrenzt die Kita-Außenanlagen. Zwischen Anlage und Zaun wird ein Baum gepflanzt und mit Rundbank versehen.
Keller Pins. Die ersten Aufträge für die Betonarbeiten sind vergeben
Der Dornröschenschlaf ist vorbei
Es soll eine grüne Oase mitten in der Stadt sein, die zum Ausruhen, mit dem Niedrigseilgarten aber auch zum Spielen einlädt. Mit der Umgestaltung wird der Kirchplatz St. Viktor einen neuen Charakter annehmen. Vorher war es ein stiller Ort im Dornröschenschlaf, so die Charakterisierung durch Pfarrer Markus Trautmann. Doch nun, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haus für alle, dem einsA, habe sich sein Auftrag geändert, betont er. Der Platz solle offener und lichter werden. Deshalb wurden Hecken entfernt, stattdessen Rasenflächen angelegt. „Der Platz bleibt aber das grüne Herz der Stadt“, betont Landschaftsarchitekt Thomas Köhlmos.
„Der neu gestaltete Platz trägt zur Belebung der Innenstadt bei“, ist Hans-Willi Heeringa vom Kirchenvorstand St. Viktor überzeugt.
Nicht ohne Stolz bemerkt Pfarrer Trautmann, dass auf der vergleichsweise kleinen Fläche mehrfach Erinnerungen an das alte Dülmen wachgehalten werden. So markieren Steinblöcke die Begrenzungen der alten Lateinschule. Das Bodenfenster Keller Pins soll daran erinnern, dass neben der Kirche einst die jüdische Familie Pins lebte. Die Kellerfundamente sollen durch eine besondere Gitterabdeckung zu sehen sein, zudem ist eine Beleuchtung vorgesehen. Ein weiterer Ort des Gedenkens könnte im hinteren Teil an der Lüdinghauser Straße liegen. Denn dort wurden in einem Grab die Gebeine jener Dülmener bestattet, die bei den jüngsten archäologischen Grabungen gefunden wurden. Ob auf die Gedenkorte mit aufgestellten Tafeln oder Bodenintarsien hingewiesen wird, werde noch überlegt. Die Zeit dränge nicht, sind sich Trautmann und Heeringa einig. Denn zunächst gehe es darum, dass die Dülmener den neu gestalteten Platz entdecken und erobern.
Bericht und Fotos der Dülmener Zeitung, Claudia Marcy
Innere Kraft ist stärker als die äußere Aufgeregtheit.
Anlässlich des Emmerick-Gedenktages feierte Bischof Dr. Felix Genn am Vorabend zum 9. Februar die heilige Messe in der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen.
In seiner Predigt führte Bischof Felix drei Punkte an, die uns das Glaubenszeugnis der Anna Katharina Emmerick aufzeigen.
Zunächst berichtete der Bischof, wie er selbst einen Zugang zu Anna Katharina Emmerick gefunden hat. Bevor er Bischof von Münster wurde, habe er als Bischof von Essen die alte Grabkapelle in Dülmen besucht. Damals, so gab der Bischof zu, konnte er mit der Person Emmerick nichts anfangen. Als Bischof von Münster begegnet er aber fast täglich Personen, die Reliquien und Andenken von Anna Katharina Emmerick erbeten. So hat er sich intensiver mit ihr befasst und sich gefragt, was von der Gestalt der Emmerick ausgehe. Es sei das Lebenszeugnis, welches den Bischof berühre, aber auch ihre Verbindung zu dem Arzt Dr. Franz Wilhelm Wesener, der sich als intellektueller und aufgeklärter Mediziner nach der Begegnung mit Anna Katharina bekehrte.
Es komme offensichtlich auf das Zeugnis an, für das Einzelne einstehen. Es brauche Menschen, die Gesicht zeigen, bei allem Chaos und „Drunter und Drüber“, die bekennen, dass sie berührt sind von der Gestalt des Jesus von Nazareth und sich in der Verbundenheit und Gemeinschaft der Kirche wissen, der auch Anna Katharina Emmerick angehörte, so resümierte der Bischof.
Im zweiten Punkt nahm der Bischof Bezug auf das vorher gehörte Evangelium. Auch Anna Katharina spürte eine innere Anziehung, die sie von Jesus nicht losließ. Sie war von Jesus so angesprochen, dass ihr Leben tief von ihm geprägt war und sich bis ins leibliche der Wunden zeigte. Dieses Zeugnis dieser einfachen Frau habe sich auf viele Menschen positiv ausgewirkt, die bei ihr Hilfe und Trost gesucht und gefunden hätten, und wie es das Beispiel von Dr. Wesener gezeigt habe, auch „umgekrempelt“ wurden.
Zum Schluss stellte der Bischof fest, dass wir zwar keine leiblichen Wunden tragen, aber das Christsein manchmal dennoch als schwer empfunden würde, besonders in diesen Tagen. Hier gibt der Bischof den Mitchristen ein Hoffnungswort aus der Lesung mit auf den Weg: „Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns im maßlosen Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit!“ Diese innere Kraft sei stärker als die äußere Aufgeregtheit dieser Tage, so der Bischof weiter.
Der Kirchenvorstand von St. Viktor freut sich: Am Montag, dem 7. Februar 2022, konnte endlich mit der Baufirma Menke aus Billerbeck die Auftragsvereinbarung unterzeichnet werden, durch die bald die Tiefbauarbeiten am archäologischen Bodenfenster „Keller Pins“ im Dülmener einsA-Quartier aufgenommen werden. Pfarrer Markus Trautmann und die Kirchenvorstandsmitglieder Christiane Daldrup und Peter Briewig unterzeichneten das entsprechende Dokument. „Indem der ursprünglich rechteckige Grundriss des Bodenfensters zu einem Dreiecksgrundriss umgeplant wurde“, berichtet Christiane Daldrup, „konnten die Tiefbaukosten erheblich reduziert werden.“ Peter Briewig ergänzt: „Auf dem dreieckigen Grundriss wird sich demnächst eine dreischenklige Glaspyramide erheben.“ Direkt am Fußweg entlang der Viktorkirche gelegen, sei dies „der ultimative Hingucker“, findet Markus Trautmann, „zumal wenn nachts aus dem Kellergeschoss Licht aufstrahlt.“
Foto: Christian Rensing
Interessante Sicht auf das Alte Testament.
In dieser Woche begehen wir den jährlichen Gedenktag der seligen Anna Katharina Emmerick. Im aktuellen Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ist es einmal angebracht, auch die Dülmener Selige aus eben dieser Perspektive zu betrachten.
Die neutestamentlichen Visionen der „Mystikerin des Münsterlandes“ zum Leben Jesu und seiner Mutter fanden bald nach dem Tod der Emmerick eine weite Verbreitung; die drei entsprechenden Bände sind bis heute den Emmerick-Verehrern ein Begriff. Dagegen blieben ihre alttestamentlichen Visionen lange Zeit ungedruckt und wurden erstmals 1881 unter dem Titel „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ veröffentlicht. Diese von Brentano aufgezeichneten Berichte widmen sich der Schöpfungsgeschichte, dem Sündenfall und dem Leben der Patriarchen – bewegen sich also im Rahmen des biblischen Buches Genesis. Wie das Buch Genesis, so enden auch die alttestamentlichen Emmerick-Visionen bei Josef in Ägypten, wohin es den jüngsten Sohn des Jakob bekanntlich verschlagen hatte. In Ägypten heiratete Josef die Nichtjüdin Asenat, die Tochter eines ägyptischen Priesters (Gen 41,45): Von ihr werden die Söhne Ephraim und Manasse geboren, die Generationen später, nach dem „Exodus“ und der Heimkehr ins Gelobte Land, als Stammväter von zwei der zwölf Stämme Israels betrachtet und geehrt werden.
Und genau hier entstand für die „Rabbinen“, also die jüdischen Gelehrten der nachbiblischen Zeit, ein skandalöses Problem: Bis heute gilt man nur dann als jüdisch, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren wurde. In dieser strengen Lesart wären laut Auskunft des Buches Genesis bzw. aus Sicht der rabbinischen Schriftauslegung, der Halacha, die beiden Stämme Ephraim und Manasse illegitim gewesen! Ein eigener halachischer Midrasch (Auslegungsspruch) der Rabbinen legte im 2. Jahrhundert n.Chr. fest, das Asenat – also die Gattin Josefs und Mutter Ephraims und Manasses – in Wirklichkeit keine ägyptische Priestertochter war, sondern Frucht einer Vergewaltigung, die an Dina, einer Tochter des Jakob, begangen worden war. Jakob habe Asenat als Enkelin und damit zur Sippe gehörig anerkannt. Indem also Josef seine Nichte ehelichte, wurden Ephraim und Manasse Urenkel Jakobs mütterlicherseits.
Kein geringerer als der renommierte deutsch-israelische Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin (1913-1999) publizierte 1974 eine verblüffende Entdeckung: „Es ist nun überaus merkwürdig, dass die Visionen der Anna Katharina Emmerick und der halachische Midrasch im wesentlichen voll übereinstimmen. Anna Katharina Emmerick teilt ebenfalls mit, dass Asenat die Enkelin des Patriarchen Jakob war, dass Josef seine Nichte geheiratet hat und dass diese durch ein Amulett ihres Großvaters Jakob als sippenzugehörig gekennzeichnet war.“ Für Ben-Chorin ist es ganz ausgeschlossen, dass die Dülmener Mystikerin oder ihr Schreiber Brentano die Übereinstimmungen der Emmerick-Visionen mit einem antiken rabbinischen Midrasch auch nur ahnen konnten. Überhaupt sei es nicht denkbar, „dass die stigmatisierte Nonne und ihr romantischer Sekretär die rabbinischen Traditionen kannten, die selbst den meisten Juden unbekannt sind, da es sich hier um keineswegs verbindlichen Randtraditionen handelt.“ Auch irgendwelche patristische, also altkirchliche christliche Schriften, in denen Brentano möglicherweise irgendwelche einschlägigen Hinweise entdeckt haben könnte, sind nicht bekannt. Für Ben-Chorin bleibt „das frappierende Phänomen einer Übereinstimmung“ der Vision der Anna Katharina Emmerick mit einer Midrasch-Exegese des rabbinischen Judentums zu einer Episode im Buch Genesis, die sich mit der Zwölfstämme-Tradition des Volkes Israel auseinandersetzt.
Die Literaturwissenschaftlerin Martina Vordermayer relativierte 1997 das Erstaunen des Schalom Ben-Chorin über „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ und verwies auf „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“: Tatsächlich hat Brentano diesen Band (im Unterschied zu allen anderen Bänden mit Emmerick-Visionen) mit einem umfangreichen Fußnotenapparat ausgestattet, der zahlreiche Hintergrundinformationen aus der historischen und spirituellen Welt des Judentums bereithält. „Brentano nimmt hier mit Hilfe des Orientalisten Hanenberg, dem ‚Sprachkundigen‘, immer wieder Bezug auf die jüdische Tradition. Konsultiert und teilweise zitiert wird der Talmud, hier speziell die Mischna und das Sota-Traktat, auch die Überlieferung der Kabbala wird herangezogen.“ In diesem Sinne habe „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“ von einer „positiven Adaption jüdischer Gesetzestexte, Traktate und Mystik“ profitiert. Ferner ergebe ein Blick in den Versteigerungskatalog bei der Auflösung von Brentanos Bibliothek 1819, dass dieser verschiedene kulturgeschichtliche und mystische Schriften über das Judentum, exegetische Werke, Reisebeschreibungen aus dem Heiligen Land, hebräische Bibelausgaben sowie hebräische Grammatiken und Wörterbücher besessen habe.
Literatur: Schalom Ben-Chorin: Eine alttestamentliche Vision der Anna Katharina Emmerick, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Bd. 26, 1974, S. 334-345 // Martina Vordermayer: Antisemitismus und Judentum bei Clemens Brentano, in: Forschungen zum Junghegelianismus Bd. 4, Frankfurt u. Wien 1999, S. 155f u. S. 167f.
Abbildung Anna Katharina Emmerick: By Gabriel von Max - Own work, Yelkrokoyade, 16 July 2015, 10:43:27, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45319933
Abbildung: Schalom Ben-Chorin: Von Harald Bischoff - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31486641
In der Dülmener Innenstadt sowie in Rorup liegen an elf Stellen insgesamt 40 "Stolpersteine", die an das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern. Sie wurden entweder ermordet, in die Emigration oder in den Suizid getrieben. In dem Video gedenken wir der jüdischen Mitbürger und MItbürgerinnen in Dülmen, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen sind.
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Theresa Hölscher aus unserer Gemeinde St. Mauritius in Hausdülmen absolviert seit Mitte September 2021 ein freiwilliges soziales Jahr in Jasikan / Ghana. Dort engagiert sie sich besonders für benachteiligte Schülerinnen und Schüler.
In der WDR-Lokalzeit berichtet sie über ihre Arbeit in der Schule in Nsuta. Mit welchen Schwierigkeiten der Freiwilligendienst des Bistums in Zeiten der Pandemie zu kämpfen hat, beschreibt auch Kirche+Leben.
Seit einigen Jahren ist Theresa bereits im Eine-Welt-Kreis der Gemeinde aktiv.
Die Sternsingerinnen und Sternsinger der Pfarrei St. Viktor haben für die Gesundheitsversorgung von Kindern in Afrika 22.628,75 € gesammelt. Wir danken allen Sternsingerinnen und Sternsingern, den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, den Begleiterinnen und Begleitern und natürlich auch den Spenderinnen und Spendern von Herzen für die Unterstürzung.
In allen Kirchen der Pfarrei St. Viktor liegen Segensaufkleber und Infos zur Spendenaktion und zum Spendenkonto aus und ein Opferstock als Spendenbox steht bereit. Über den gesamten Januar können direkt Spenden für die Aktion dort eingeworfen und Segenswünsche besonders auch zur Weitergabe an kranke und ältere Angehörige mitgenommen werden.
Am 17. Januar feiern wir das Fest des hl. Antonius, dem Merfelder Kirchenpatron. Dieser zog im 3. Jahrhundert auf radikale Weise aus der Lektüre des Evangeliums den Schluss, sein Vermögen aufzugeben und den Rückzug in die Wüste zu suchen.
Im Gottesdienst, der anlässlich des Gedenktages in der Antoniuskirche gefeiert wurde, nimmt Pfarrdechant Markus Trautmann in seiner Predigt >>> den Heiligen in den Blick.
Steinerne Erinnerungen auf dem Dülmener Kirchplatz.
Das Bodendenkmal „Lateinschule“ ist das älteste Zeugnis für das Schulwesen in Dülmen. Ihre Lage unweit von St. Viktor ist noch im sogenannten „Urkataster“ von 1825 erfasst.
Nach Auskunft von Archäologen Dr. Gerard Jentgens wurde die Schule vermutlich 1323 gleichzeitig mit dem Stiftskapitel eingerichtet. „Schon für das Jahr 1325 erfährt man, dass dort ein Rektor namens Alhardus tätig ist“, weiß Jentgens zu berichten. Lateinschulen wurden zunächst von kirchlicher Seite gegründet und entstanden an Bischofssitzen, Klöstern oder eben Stiften. Entsprechend lagen die Schulen meist dicht bei den Kirchbauten. Sie dienten in erster Linie der Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses, der Kleriker. Bald aber sah auch die städtische Öffentlichkeit die Notwendigkeit, die Heranwachsenden zu bilden, beispielsweise im Hinblick auf zukünftige Verwaltungsmitarbeiter. Auch in Dülmen beteiligte sich die Stadt spätestens seit 1434 an der Finanzierung der Lateinschule bzw. der Lehrkräfte.
Aus späterer Zeit gibt es eine knappe Beschreibung des Schulgebäudes, die zwei große und einen kleineren Raum erwähnt. Der archäologische Befund zeigt im Erdgeschoss eine Gliederung durch eine Quermauer, durch die die Grundfläche im Verhältnis von etwa 1:2 geteilt wird. Ferner konnten die Eingangsbereiche und der Standort des Kamins freigelegt werden. „Die relativ geringe Breite des Fundaments aus großformatigen Backsteinen weist darauf hin, dass die Dülmener Schule ein Fachwerkgebäude war“, vermutet der Archäologe. 1831 wurde das in die Jahre gekommene Schulgebäude, in dem Jungen und Mädchen unterrichtet wurden, zum Abbruch verkauft und ein neues Gebäude an der Münsterstraße errichtet.
Der Kirchenvorstand von St. Viktor hatte im Jahr 2021 entschieden, die Spuren dieser wichtigen und über Jahrhunderte wirkende Bildungseinrichtung neu ins öffentliche Bewusstsein zu bringen und in die Neugestaltung des Kirchplatzes einzubeziehen. Im Januar 2022 wurde damit begonnen, den Verlauf der Fundamente, das noch weitgehend im Erdreich erhalten ist, oberirdisch darzustellen. Dazu wird in der Art einer Intarsie künftig ein steinernes Band aus Grauwacke die Rasenfläche unter den alten Lindenbäumen durchziehen. Darüber hinaus wird an vier Stellen durch mächtige Steinblöcke der Verlauf der Wände bzw. der Hausecken in eine Höhe vor rd. 50 cm dargestellt.
Ein ganz besonderer Hinweis auf die Dülmener Schule am Kirchplatz findet sich übrigens in den Visionen der seligen Anna Katharina Emmerick, wie sie Clemens Brentano im November 1819 in sein Tagebuch notiert: „Hier auf dem Kirchhof zwischen Schule und Kirche, links von der Kirche, liegt etwas tief ein ganz erhaltener und unbekannter Leichnam einer Seligen. Es wurde mir gezeigt, wie er dennoch den oben Herübergehenden Schutz und Nutzen bringt.“
„Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.” Dieser Bibelvers aus dem Buch Josua ist für Stephanie Werenbeck-Ueding Inspiration und Quelle gleichermaßen. Seit gut einem Monat verstärkt die 45-Jährige das Seelsorgeteam der Pfarrei St. Felizitas in Lüdinghausen als Pastoralassistentin. Denn die dreifache Mutter macht sich noch einmal auf den Weg. „Mein Wunsch, die Berufung zum Beruf zu machen, ist jetzt nach einigen Umwegen endlich wahr geworden“, freut sie sich auf die kommenden drei Jahre, in der sie ihre Ausbildung zur Pastoralreferentin absolviert.
Vor ihrer Familienphase und der Erziehungszeit hat Werenbeck-Ueding als Bankkauffrau gearbeitet. „Doch schon damals und endgültig mit dem Heranwachsen unserer Kinder, die inzwischen 13, elf und neun Jahre alt sind, habe ich gespürt, dass mein Herz für etwas anderes schlägt“, berichtet Werenbeck-Ueding. In ihrer Heimatgemeinde St. Agatha in Rorup hat sie sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagiert. Sei es in der Kommunionkatechese, im Familienmesskreis, in der wöchentlich angebotenen Kirch-AG in der Grundschule sowie in unterschiedlichen Gremien, Ausschüssen und Arbeitskreisen.
Der Entschluss, sich künftig auch beruflich in der Kirche einzubringen, reifte in ihr. Sie absolvierte drei Jahre den Grund- und Aufbaukurs Theologie im Würzburger Fernkurs. Seit zwei Jahren studiert sie angewandte Theologie im Fernkurs der Katholischen Fachhochschule Paderborn.
„Der Glaube ist für mich Kraft und Motor in meinem Leben, aber auch Halt und Stütze in den schweren Zeiten des Lebens. Er gibt mir Heimat und Sicherheit. Den Glauben mit anderen Menschen zu teilen, ihn weiterzugeben oder neu zu wecken bereitet mir Freude“, hält sie fest. Sie freut sich darauf, in den kommenden drei Jahren praktische Erfahrungen in der seelsorgerischen Arbeit zu sammeln.
Lena Gelsterkamp hat ihr Büro im Pfarrhaus von St. Martin in Nottuln bezogen. Noch sind die Regale ziemlich leer. Aber das wird sich sicherlich ändern. „Im Moment nutze ich die Zeit, um die Menschen und die Kirchen in den verschiedenen Ortsteilen kennenzulernen“, berichtet die 28-Jährige, die am ersten August ihren Dienst als Pastoralreferentin aufgenommen hat.
Gelsterkamp ist in Dülmen groß geworden und hat sich in der Pfarrei St. Viktor in Kinder-, Jugend- und Chorarbeit engagiert. „Pastoralreferentin zu werden, war für mich eine berufliche Perspektive. Doch mein Weg verlief nicht geradeaus. Ich habe auch immer links und rechts geschaut, denn ich habe ein Faible für Wirtschaft und Politik“, berichtet sie. Bestärkt habe sie ihr einjähriger Freiwilligendienst in Mexiko, den sie nach dem Abitur über das Bistum Münster geleistet hat. „Ich habe mich in einem kirchlichen Projekt eingebracht und viel neues gelernt“, erzählt Gelsterkamp. Nach ihrem Religionspädagogikstudium in Paderborn hat sie den Masterstudiengang „Theologie und globale Entwicklung“ in Aachen angeschlossen. „Er verknüpft perfekt die Themen, für die ich mich interessiere“, erklärt die Dülmenerin. Aber es brauche immer auch einen konkreten Ort, an dem sie ihre Talente einbringen könne.
Diesen fand sie für die dreijährige Zeit als Pastoralassistentin in der Pfarrei St. Antonius in Rheine. So engagierte sie sich beispielsweise besonders in der Sternsinger-Aktion. „Dabei ging es nicht nur darum, Spenden zu sammeln. Wir haben über das jeweilige Jahresthema des Kindermissionswerks informiert, damit die Kinder auch den globalen Aspekt der Aktion kennenlernen“, nennt sie ein Beispiel. Leider habe die Corona-Pandemie vieles verändert. „Der Blick für die Welt fehlte, weil wir mit dem Hier und Jetzt beschäftigt waren“, bedauert sie und fügt hinzu: „Es war eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Wir wurden in unserer Arbeit ausgebremst. Seelsorge ist Beziehungsarbeit. Doch während Corona konnten wir mit den Menschen kaum in Kontakt kommen. Das ist schwer auszuhalten“, erklärt sie. Auf der anderen Seite hätten sich neue Wege aufgetan, Seelsorge zu gestalten.
In ihrer Ausbildungspfarrei war Gelsterkamp unter anderem auch für die Erstkommunion- und Firmkatechese zuständig. „Als einen Vorbereitungsweg haben wir zum Beispiel eine Firm-WG angeboten, in der die Bewerberinnen und Bewerber eine Woche zusammen gewohnt haben“, informiert sie. Aber auch an zwei weitere Projekte zu den Kar- und Ostertagen wie die aufwändige Lichtinstallation „Fokus“ und die Kunstinstallation „Eternal Dream“ erinnert sie sich gern.
In Nottuln wird die Jugendarbeit einer ihrer Schwerpunkte werden. „Ich möchte aber auch junge Erwachsene ansprechen. Zudem mache ich mich gern stark für weibliche Themen in der Kirche und das Thema Diversität“, berichtet sie. Zu ihren Aufgaben gehöre künftig auch der Predigt- und Beerdigungsdienst.
Für den Beruf der Pastoralreferentin würde sie sich immer wieder entscheiden. „Ich habe das Privileg, mit vielen Menschen in unterschiedlichen Bereichen unterwegs zu sein. Zudem habe ich zahlreiche gestalterische Freiräume und kann eigenverantwortlich arbeiten“, zählt sie einige Vorteile auf, die sie an ihrem Beruf schätzt. Ihr Glaube mache sie stark. „Ich weiß, dass da immer jemand ist, der mich begleitet und für mich ein Anker ist. Das stärkt mich und richtet mich auf. Der Glaube ist ein Leitfaden für mein Leben. Das möchte ich anderen auch vermitteln“, erklärt Gelsterkamp.
Im Viktorboten, Ausgabe 4 >>>, berichtet Lena Gelsterkamp über ihre Zeit in Mexiko und in der Ausgabe 9 >>> von ihren Eindrücken beim Weltjugendtag. (Anm. der Redaktion kiD)
Pfarrsekretärinnen und inzwischen auch vereinzelt Pfarrsekretäre sind oft die ersten Ansprechpersonen in den Kirchengemeinden. Sie kommen mit den Menschen ins Gespräch, sei es am Telefon oder im Büro. „Das ist manchmal eine Herausforderung. Jemand berichtet vom Tod eines nahen Angehörigen, im nächsten Moment steht eine Familie vor der Tür, die ihr Kind zur Taufe anmelden möchte oder ein Paar, das sich für einen Trautermin interessiert“, berichtet Anja Ruffer. Die 52-Jährige arbeitet seit zehn Jahren im Pfarrbüro von St. Viktor in Dülmen und engagiert sich seit gut fünf Jahren als Vorsitzende im Berufsverband der Pfarrsekretärinnen und -sekretäre im Bistum Münster (BVPS). Ruffer, die Bürogehilfin gelernt und sich zur Sekretärin sowie Industriefachwirtin weitergebildet hat, liebt ihre Arbeit.
„Ich habe viele Kontakte zu den Menschen in unserer Gemeinde und zum Seelsorgeteam. Aber es gibt auch zahlreiche administrative Aufgaben, die zu erledigen sind. Die Mischung macht es aus“, beschreibt die zweifache Mutter den Reiz ihrer Tätigkeit. Allerdings, räumt sie ein, nähmen die Verwaltungsaufgaben zu. „Sei es durch die Datenschutzauflagen oder auch in der Spendenverwaltung“, nennt sie zwei Beispiele. Dank der Digitalisierung, die selbstverständlich auch Einzug in die Pfarrbüros gehalten habe, sei die Arbeit professionalisiert worden. „Das ist sehr hilfreich, beispielsweise auch für größere Pfarreien mit mehreren Büros. Alle sind dann auf einem Stand“, berichtet sie.
Wie Ruffer geht es den rund 250 Mitgliedern des Berufsverbandes, der vor 20 Jahren ins Leben gerufen wurde. „Früher hat jedes Büro sein eigenes Süppchen gekocht. Durch die Einführung einer digitalen Verwaltungssoftware, der Vernetzung untereinander, mit dem Bistum und den Zentralrendanturen, hat sich das geändert“, freut sie sich. Regelmäßig bietet der Verband Fortbildungen zu unterschiedlichen Themen an, die die Arbeit in den Pfarrbüros betreffen. „Für neue Kolleginnen und Kollegen gibt es beispielsweise jedes Jahr die Fortbildung ‚Neuer Arbeitsplatz Pfarrbüro‘ und später einen entsprechenden Aufbaukurs. Aber unser Programm umfasst ebenso Angebote zur Kommunikation und Schlagfertigkeit, zum Kirchenrecht oder zur Trauer im Berufsalltag“, informiert Ruffer. Auch Einkehrtage gehören dazu. Besonders dankbar ist sie, dass das Bischöfliche Generalvikariat Münster (BGV) die Arbeit durch den Ansprechpartner Thomas Ruhe sowie weitere Referentinnen und Referenten entsprechend unterstützt.
Allerdings sei es schwierig neue Mitarbeitende zu finden. „Da geht es uns wie anderen Arbeitgebern für kaufmännische Berufe. Der Altersdurchschnitt der Kolleginnen ist hoch. In den nächsten Jahren müssen zahlreiche Stellen neu besetzt werden“, erklärt sie. Voraussetzungen für den Beruf der Pfarrsekretärin oder des Pfarrsekretärs seien eine kaufmännische Ausbildung, Erfahrungen im Beruf und im Umgang mit Menschen sowie eine positive Einstellung zu den christlichen Werten. „Allerdings werden in den meisten Fällen nur Teilzeitstellen angeboten. Wer gut ausgebildet ist, geht lieber Vollzeit arbeiten“, weiß sie. Neben einem guten Arbeitsklima sei natürlich die Mitarbeiterpflege sehr wichtig. „Dafür haben wir schon die eine oder andere Idee, für die Mitarbeitenden unserer Pfarrei“, macht es Ruffer spannend.
Gemeinsam mit ihren Vorstandkolleginnen Sylvia van Schelve (Münster), Dörthe Wagner (Oer-Erkenschwick), Brunhilde Weninger (Rhade), Christa Schütz-Roters (Schöppingen), Hiltrud Laubrock (Altenberge) und Pfarrer Bernd Hante als Geistlicher Begleiter freut sie sich auf die zwei Tage in Dülmen, an denen sie am 23. und 24. September das 20-jährige Jubiläum mit einem bunten Programm und vielen Berufskolleginnen und -kollegen feiern.