Info aus der Dülmener Zeitung
Dülmen. In Mexiko hat sie zum Finale der Fußball-Weltmeisterschaft die deutsche Flagge aufgehängt, in Deutschland gehört die mexikanische Flagge zu ihren Erinnerungsstücken: Lena Gelsterkamp aus Dülmen ist ein bisschen noch in zwei Welten zu Hause. Zwölf Monate hat sie als Freiwillige in einer katholischen Pfarrgemeinde in der mexikanischen Kleinstadt Progreso de Obregón gearbeitet. Seit einigen Wochen ist sie wieder zurück in Deutschland.
Inhaltlich musste sich die junge Dülmenerin für ihren Freiwilligendienst, den sie in Trägerschaft des Bistums Münster leistete, nach ihrer Ankunft in Mexiko wenig umgewöhnen. Denn viele Aufgaben ähnelten jenen, die sie schon in ihrer Heimatgemeinde St. Joseph ehrenamtlich übernommen hatte, etwa die wöchentlichen Messdiener-Gruppenstunden in fünf Dörfern, Krankenbesuche und die wöchentliche Firmkatechese. Ein großer Arbeitsbereich sei die Sozialpastoral gewesen: „Wir haben Bedürftige unterstützt“, schildert Gelsterkamp. Gern erinnert sie sich an das größte während ihres Aufenthalts umgesetzte Vorhaben: „Die Pfarrei hat ein Fahrzeug für Krankentransporte gekauft.“
Größtenteils erfüllt hat sich der Wunsch der 20-Jährigen, in Progreso eigene Ideen einzubringen, etwa Gruppenspiele und einen Messdienerprojekttag. Sie räumt aber ein: „Ich musste lernen, dass Ideen aus Deutschland dort nicht alle komplett umsetzbar waren.“
Zu lernen gab es grundsätzlich eine Menge - in fachlicher, vor allem aber auch in persönlicher Hinsicht. „Es war schön, zu erleben, wie man sich Stück für Stück gewöhnt und sich angenommen fühlt“, beschreibt die Dülmenerin. „Man wird selbstständig und merkt, dass man sich auf Fremdes einstellen kann.“
Bei aller Integration war die größte Umstellung, „dass man im Ausland immer anders ist. Als einzige Freiwillige in der Stadt sticht man heraus.“ So erlebte die 20-Jährige die unterschiedlichen Mentalitäten sehr bewusst. „In Deutschland bin ich froh, dass Dinge klar ausgesprochen werden“, nennt sie ein Beispiel. „Die Mexikaner reden durch die Blume, tun sich schwer mit eindeutigen Aussagen.“ Umgekehrt bewundere sie die dortige Offenheit: „Die Menschen lassen einen bei sich wohnen, ohne, dass man sich kennt. Und ihre Fiestas sind einmalig.“
Nicht nur wegen der Fiestas fiel der 20-Jährigen der Abschied schwer: „Der nagt auch jetzt noch an mir, schließlich habe ich da Freunde gefunden.“ Das gelte erst recht, weil es für ein Wiedersehen noch keine Pläne gebe: „Jetzt wird erst einmal studiert, und den Kontakt halten wir per Skype und WhatsApp“, sagt Gelsterkamp. Zum Studium der Religionspädagogik ist sie inzwischen nach Paderborn gezogen, so, wie sie es direkt nach dem Abitur geplant hatte: „Das Jahr hat mich darin bestätigt.“ Zwar habe es auch weniger gute Tage gegeben, räumt sie ein: „Aber die hat man zu Hause auch, und wir waren vorbereitet.“
So lobt Lena Gelsterkamp die Begleitung durch das Referat Weltkirche des Bistums. An den Auslandaufenthalt habe sich noch ein Rückkehrerseminar angeschlossen. „Es war schön, rückblickend zu sehen, dass man mit den Herausforderungen nicht allein war“, erläutert die Dülmenerin. „Wir verstehen untereinander unsere Erfahrungen.“